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Ratgeber Sprachtherapie
Ratgeber Sprachtherapie
Ein Text für Patienten mit Sprach-
und Sprechstörungen,
sowie die Angehörigen und die Freunde
Scheel, R., Joram, U., Schwarz, F. (1998)
Lieber Patient, liebe Angehörige, dieser
Ratgeber ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, Ihnen,
den Betroffenen, Fachkenntnisse in einer verständlichen Form
zu vermitteln. Wir hoffen, daß wir damit die Grundlagen
für mehr Verständnis sowie einen besseren und leichteren
Umgang mit dem Patienten geschaffen haben. Sprachtherapeuten haben
für Sie diese Informationsbroschüre zusammengestellt,
die als Ratgeber gedacht ist und Ihnen auch verdeutlichen soll,
daß wir als Sprachtherapeuten auf Ihre Mithilfe angewiesen
sind. Auf den folgenden Seiten werden Sie deshalb Antworten auf
die Fragen finden, die im Zusammenhang mit der Erkrankung stehen
und die Sprache, das Sprechen, das Lesen und das Schreiben betreffen.
Bedenken Sie als Angehörige und Freunde aber bitte auch,
daß der Zugang zu diesen Informationen, die Sie jetzt in
der Hand halten und die Sie mühelos lesen können, für
Patienten nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden
kann. Der Inhalt wird in den meisten Kapiteln überwiegend
aus der Sicht der Sprachtherapie dargestellt, deshalb erheben
die hier aufgezählten Krankheitszeichen auch keinen Anspruch
auf Vollständigkeit. Besonderes Augenmerk haben wir auf die
Begleitstörungen gerichtet, die sprachliche Fähigkeiten
direkt oder indirekt beeinflussen können.
Neurologische Rehabilitation
Die neurologische Rehabilitation hat sich in Deutschland erst in
den letzten Jahrzehnten entwickelt. Früher wurden Patienten
mit Sprach- und/oder Sprechstörungen neurologischen Ursprungs
aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen oder bei Vorliegen schwerer
Ausprägung in psychiatrische Kliniken überwiesen.
Heute hat sich die Situation grundlegend gewandelt. In der Intensivmedizin
ist die Entwicklung so weit fortgeschritten, daß immer mehr
Patienten einen Schlaganfall, eine Kopfverletzung, eine Hirnoperation
oder einen Unfall, d.h. eine Schädigung des Gehirns, überleben.
Während die Patienten in der ersten Phase noch relativ unselbständig
sind und die Symptome bzw. Defizite sich in ihrer stärksten
Ausprägung zeigen, kann bereits in dieser frühen Phase
eine beginnende und bei jedem Patienten unterschiedlich ausgeprägte
Verbesserung der Krankheitszeichen beobachtet werden. Dort beginnt
i.d.R. auch die sprachtherapeutische Behandlung mit einer Untersuchung
und einer unterstützenden Aktivierung, die meist noch nicht
an einem Tisch stattfinden kann, sondern bei der der Therapeut zum
Patienten ans Bett kommt. Auch die krankengymnastische und ergotherapeutische
Behandlung beginnt in den meisten Krankenhäusern bereits zu
diesem frühen Zeitpunkt. Eine psychologische Betreuung gibt
es leider noch nicht an allen Krankenhäusern.
Nach der ersten Phase, die im Krankenhaus oder der Intensivstation
stattfindet, werden die Patienten durch den behandelnden Arzt /
den Sozialdienst des Akuthauses oder den Hausarzt in Fachkliniken
für neurologische Rehabilitation angemeldet, wenn die
Voraussetzungen dafür gegeben sind. Die Aufenthaltsdauer richtet
sich nach:
- dem Ausmaß der Störung,
- dem Grad der Selbständigkeit,
- dem Umfang der Genesung,
- den Fortschritten des Patienten und
- den eigenen Wünschen des Patienten.
Der Klinikaufenthalt kann mehrere Wochen bis Monate dauern.
Bevor ein Patient dann die Rehabilitationsklinik verläßt,
ist es die Aufgabe des Sprachtherapeuten zu entscheiden, ob und
in welchem Umfang eine Weiterbehandlung durch niedergelassene
Sprachtherapeuten oder in einer Tagesklinik erfolgen soll. Für
die Weiterbehandlung ist ein Rezept des Hausarztes erforderlich,
durch den jederzeit ein ausführlicher Bericht angefordert werden
kann. Parallel zur ambulanten sprachtherapeutischen Betreuung gibt
es zusätzlich die Möglichkeit, an den Treffen der Selbsthilfegruppen
teilzunehmen, die es in vielen Städten inzwischen gibt
Fachdisziplinen in alphabetischer Reihenfolge
Die folgenden Fachdisziplinen sind am Rehabilitationsprozeß
beteiligt, denn erst durch die gemeinsame Arbeit am und mit dem
Patienten kann eine umfassende und gute neurologische Rehabilitation
gewährleistet werden.
Ergotherapie: Erhaltung und Förderung der Selbständigkeit
des Patienten bei Alltagshandlungen (Körperpflege, Ankleiden,
Essen usw.). Beratung und Versorgung mit Hilfsmitteln.
Klinische Neuropsychologie: Untersuchung und Therapie des Zusammenspiels
bestimmter Funktionen des Gehirns und seiner Leistungen.
Krankengymnastik: Untersuchung und Therapie des Bewegungsapparates.
Neurologie: Wissenschaft von den Erkrankungen des Nervensystems
und den beteiligten körperlichen Prozessen.
Pflegedienst: Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Anwenden
des in den Therapien Trainierten im Stationsalltag.
Sozialdienst : Beratende Funktion bei der Wiedereingliederung des
Patienten in den privaten und beruflichen Alltag unter Berücksichtigung
der Sozialgesetzgebung und der bestehenden Erkrankung.
Sprachtherapie: Untersuchung und Therapie beeinträchtigter
mündlicher, schriftlicher und nichtsprachlicher Verständigung.
Ursachen der Sprach- und Sprechstörungen
Zu den Ursachen der Sprach- und Sprechstörungen zählt
in erster Linie der Schlaganfall (Apoplex, Hirninfarkt, Hirnblutung)
Eines der vielen Blutgefäße im Gehirn ist verstopft oder
geplatzt. Es entsteht dann im umgebenden Gebiet ein Bluterguß
oder eine Blutleere im Versorgungsgebiet dieses Blutgefäßes.
Die davon betroffenen Nervenzellen und Verbindungen werden dabei
zerstört. Auch bei Schädel-Hirn-Trauma durch einen Auto-
oder Motorradunfall kann es zu Blutungen oder sogar zum Verlust
von Hirngewebe kommen. Hirntumore oder Hirnoperationen sowie entzündliche
Prozesse, Stoffwechselerkrankungen oder Vergiftungen mit Hirnschädigung
können ebenfalls die Ursache von Sprach- und Sprechstörungen
sein. Besonders bei älteren Menschen können auch fortschreitende
Erkrankungen (Alzheimersche Krankheit, Parkinsonsche Krankheit,
u.ä.) zu Sprach- und Sprechstörungen führen.
Ziele
Die folgenden Aussagen beziehen sich auf die Sprachtherapie, sind
aber weitgehend auch auf andere Therapiebereiche in der neurologischen
Rehabilitation anwendbar. Die Grundlage der neurologischen Rehabilitation
im allgemeinen besteht in der Anpassungsfähigkeit des Gehirns.
Das menschliche Gehirn tut zeitlebens nichts anderes, als sich auf
neue Situationen und Inhalte einzustellen und zu reagieren. Diese
Eigenschaft des Gehirns wird in der Rehabilitation genutzt. Im Idealfall
soll eine völlige Wiederherstellung verlorener sprachlicher
Funktionen (Restitution) erreicht werden, was sich in der Praxis
aber leider nur selten erreichen läßt. Das Ziel heißt
also:Möglichst weitgehende Verbesserung von einzelnen sprachlichen
Funktionen beim Patienten (das Finden von Wörtern, das Bilden
von Sätzen, das Schreiben, etc) Training der Geschicklichkeit
im Umgang mit verbleibenden Funktionsausfällen (Kompensation)
Anwenden der neuen Fähigkeiten im Alltag (Transfer) Beratung
der Bezugspersonen bzw. Angehörigen. Therapieziele werden aber
im Einzelfall nicht so allgemein festgelegt, sondern werden gemeinsam
und im Einverständnis mit dem Patienten erarbeitet. Im Verlauf
der Behandlung kann es auch vorkommen, daß die Therapieziele
neu überdacht und umformuliert werden müssen. Das geschieht
immer gemeinsam mit dem Patienten.
Zu den Faktoren, die die Formulierung des Therapiezieles beeinflussen,
gehören:
die festgestellten sprachlichen Defizite,
die Wünsche und Erwartungen des Patienten,
die möglicherweise bestehenden neuropsychologischen Defizite,
andere Begleiterkrankungen,
das vor der Erkrankung vorhanden gewesene Leistungsprofil und
die für den Patienten zu erwartenden Anforderungen im beruflichen
und/oder privaten Alltag.
Aufgrund der zahlreichen Faktoren sieht das Therapieziel für
jeden einzelnen Patienten also anders aus. Ein wichtiger Bestandteil
des Therapieprozesses ist die Beratung der Angehörigen und
Bezugspersonen, denn mit diesen Menschen wird sich der Patient später
unterhalten oder verständigen wollen und müssen. Darüberhinaus
wird von Psychologie und Sozialdienst eine Angehörigengruppe
angeboten, in der einmal nicht der Patient, sondern der Angehörige
im Mittelpunkt steht. Es besteht dort die Möglichkeit des Austauschs
mit anderen Angehörigen, die in einer ähnlichen Situation
sind.
Prognose
Eine immer wieder gestellte Frage ist die nach der Prognose. "
Werde ich bzw. wird mein Partner wieder ganz normal sprechen können?
", " Wie lange dauert es, bis es wieder geht? ",
" Wann bin ich gesund? ". Solche und ähnliche Fragen
können einerseits nicht pauschal beantwortet werden, andererseits
lassen sich selbst im Einzelfall für Sprachstörungen keine
genauen Prognosen stellen. Zwar können nach einer Hirnschädigung
Nervenzellen nicht nachwachsen, aber die nicht betroffenen Teile
des Gehirns können teilweise neue Aufgaben übernehmen.
Eine Heilung im herkömmlichen Sinne ist also nicht möglich.
Dennoch, und das lehrt die Erfahrung, kommt es in einem sehr langwierigen
Prozess, der über Monate und Jahre gehen kann, zu Fortschritten
und Verbesserungen, die anfangs deutlich, im Laufe der Zeit aber
langsamer verlaufen. Wenn es sich nicht um eine fortschreitende
(progrediente) Erkrankung handelt, dann treten keine Verschlechterungen
auf. Es gibt Patienten, bei denen trotz intensiver Sprachtherapie
nur geringe Verbesserungen erreicht werden können. Andere Patienten
sind bereits nach kurzer Zeit sprachlich nahezu unauffällig
im Alltag.
Sprach- und Sprechstörungen
Das eigentlich griechische Wort "Aphasie" bedeutet "Sprachlosigkeit".
Ein Aphasiker ist ein Patient, der nach einer Schädigung des
Gehirns nicht mehr wie vor der Erkrankung Lesen, Schreiben, Sprechen
oder Sprache verstehen kann. Nur in seltenen Fällen sind aber
alle Möglichkeiten vollständig verloren gegangen. Eine
Aphasie ist eine Störung der Grammatik und des Wortschatzes
und hat nichts mit Schwerhörigkeit, geistiger Verwirrung oder
einer Lähmung der Zunge oder der Stimmbänder zu tun.
Am besten lassen sich die Probleme durch Fehler illustrieren, die
von Aphasikern gemacht werden. Am Beispiel des schriftlichen Benennens
von Abbildungen ist ersichtlich, daß es zu ganz unterschiedlichen
Fehlleistungen kommen kann.
Hier sind Buchstaben vertauscht worden (Hobel, Pyramide). Manche
Wörter sind als solche nicht mehr erkennbar (Krokodil) und
anstelle des Pinguins wurde zwar auch ein Vogel (Eule), aber der
falsche zugeordnet. In einigen Fällen entstehen zwar Fehler,
aber der Sinn ist durchaus noch erkennbar. In einigen Fällen
häufen sich die Fehler derart, daß ein Sinn des Geschriebenen
beim besten Willen nicht mehr erkennbar ist.
Auch in der gesprochenen Sprache passieren solche Fehler. So können
dann anstelle der Buchstaben Laute vertauscht, ausgelassen oder
hinzugefügt werden:
Könnel sie mir .. saben, wo hier ... die Repezion ist ?
Was hier bei einzelnen Buchstaben passiert ist, kann aber auch
mit ganzen Wörtern geschehen. Es werden dann Wörter vertauscht,
die ähnliches bedeuten:
Können sie mir .. denken, wo noch die Ausgabe ist ?
Bei leichteren Störungen läßt sich der Inhalt des
Gesagten vor allem dann erraten, wenn die Wörter nur vereinzelt
in veränderter Form auftreten. Schwieriger wird es jedoch für
den Zuhörer, wenn ganze Sätze überwiegend so gebildet
werden, daß sich kein Inhalt mehr erkennen oder erraten läßt.
Aphasiker haben in der Regel neben den Problemen beim Sprechen und
Schreiben auch Schwierigkeiten beim Verstehen von gesprochener und
geschriebener Sprache. Dabei kann es sein, daß entweder einzelne
gesprochene Wörter besser oder aber lange gesprochene Sätze
besser verstanden werden. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt,
daß die Ursache des Verständnisproblems beim Aphasiker
nicht beim Gehör zu suchen ist, sondern in der gestörten
Verarbeitung des Gehörten liegt. Lauteres Sprechen trägt
also hier in keiner Weise zum besseren Verständnis bei.
Beim Verstehen von geschriebener Sprache können sich ähnliche
Probleme ergeben. So kann es sein, daß ein Aphasiker zwar
einzelne geschriebene Wörter verstehen kann (z.B. Schlagwörter
aus den Zeitungsüberschriften oder den Wochentag in der Therapiekarte),
ganze Sätze jedoch nicht lesen kann. Beim Aphasiker können
also die vier Modalitäten Sprechen, Schreiben, Lesen und Sprache
verstehen gleichermaßen oder unterschiedlich schwer gestört
sein. Es werden heute verschiedene Arten von Aphasien unterschieden.
Die herausragendsten Merkmale der wichtigsten Aphasiearten möchten
wir Ihnen an dieser Stelle aufzählen und mit Beispielen aus
der gesprochenen Sprache verdeutlichen.
Amnestische Aphasie: Bei gut artikuliertem und flüssigem Sprechen
sowie nur geringen Schwierigkeiten beim Verstehen gesprochener Sprache
ist das Finden von Wörtern deutlich erschwert, verzögert
oder teilweise nicht möglich. Dadurch können Sätze
manchesmal nicht vollendet werden, oder der Redefluß wird
unterbrochen. Es können Vertauschungen von Lauten auftreten,
oder es werden andere mit einer ähnlichen Bedeutung fälschlicherweise
verwendet. Ein Patient könnte auf die Frage, was denn am Sonntag
passiert sei, folgendermaßen antworten: Ja, also am ... am
Dings, äh Sonntag war ich ... waren wir dort im ... na sie
wissen schon ... in .. na ... in .. na wo´s was zum Essen
gibt ... verstehen Sie ? .. un in dem Dings war ich mit meiner Schwester
(er meint seine Frau) und den Kildern. .... Dann waren wir alle
Eis essen.
Broca-Aphasie: Das Sprechen geschieht mit großer Anstrengung
und vielen Pausen und ist verlangsamt. Die Artikulation ist sehr
häufig schlecht und es treten viele Lautvertauschungen auf.
Der Satzbau erinnert in seiner Form an ein Telegramm. Das Sprachverständnis
ist beeinträchtigt. Ein Patient könnte auf die Frage,
was denn am Sonntag passiert sei, folgendermaßen antworten:
Sonntag ... essen ... Flau .. Flau .. nein Frau und Linder zusammen
... alle ... ... ... Ein ... Ein ... Eis etzen.
Wernicke Aphasie: Bei gut artikuliertem und flüssigem Sprechen
werden sehr oft Laute oder ganze Wörter verwechselt, wobei
häufig verschiedene Sätze auf eine eigentlich unzulässige
Weise ineinander übergehen. In schweren Fällen kann der
Sinn des Gesagten nicht mehr erraten werden, weil zu viele Laute
verwechselt wurden, oder weil zu viele Wörter vertauscht wurden.
Diese Patienten sprechen oft ohne Unterlaß und lassen den
Gesprächspartner nicht mehr zu Wort kommen. Das Verstehen von
Sprache und das Erkennen der eigenen Fehler ist häufig schwer
gestört. Ein Patient könnte auf die Frage, was denn am
Sonntag passiert sei, folgendes antworten: Ja als Bonntag sindie
gegangen und da hattense doch die waren doch noch da ... Sinse gut
gewesen waren die Schwister hatten auch ein Eis ... hatten die.
Globale Aphasie: Das Sprechen ist bis auf einen sehr geringen Wortschatz
aufgehoben. Einige wenige Wörter, oft sind es sogar nur ein
bis zwei Silben, sind oft noch möglich, werden aber nicht sinnvoll
eingesetzt. Mitunter werden sie stetig wiederholt, wobei durch die
Tonhöhe des "Satzes" durchaus erkennbar sein kann,
ob der Patient etwas mitteilen oder eine Frage stellen will. Das
Verstehen von gesprochener Sprache ist dem Patienten kaum möglich.
Ein Patient könnte auf die Frage, was denn am Sonntag passiert
sei, folgendes antworten: Ja ja ... ... gut ... mein Gott ... gut
gut ... ... ... guten Tag ...
Dysarthrie
Im Gegensatz zur Aphasie sind bei der Dysarthrie nicht die Grammatik
und der Wortschatz betroffen, sondern die Bereiche Artikulation
und Stimme selbst. Oft ist zusätzlich auch die Atmung eingeschränkt.
Die Sprechlaute, aus denen sich die gesprochenen Wörter zusammensetzen,
können nicht mehr so exakt und schnell gebildet werden wie
früher. Das betrifft aber nicht immer alle Laute, sondern oft
nur bestimmte Gruppen von Lauten. Wenn z.B. die Zungenspitze nicht
nach oben bewegt werden kann, dann klingen das "T", das
"L" und das "N" nicht mehr wie früher.
Wenn die Lippen nicht geschlossen werden können, ist es unmöglich,
ein "M" zu sprechen. Ist das Atemvolumen reduziert, dann
können nicht mehr so lange Sätze in einem Atemzug gesprochen
werden. Viele Patienten beginnen dann schneller zu sprechen, was
zu Unverständlichkeit führt.Auch die Stimme verändert
sich oft. Sie kann tiefer, höher, unregelmäßig,
lauter oder leiser geworden sein. Patienten bemerken es häufig
nicht, daß sie undeutlich oder zu schnell sprechen. Sie berichten
zwar, daß sie alles zwei- oder dreimal wiederholen müssen,
können sich das aber nicht erklären. Schnell kommt es
dann zu Mißverständnissen, weil der Patient meint, die
anderen würden einfach nicht begreifen, was er wolle. Die persönliche
Sprechweise läßt sich jedoch auch mithilfe des Therapeuten
nicht so schnell und leicht verändern; eine verständlichere
Sprechweise muß mit viel Geduld eingeübt werden.
Sprechapraxie
Bei einer Sprechapraxie, die meist zusammen mit einer Aphasie auftritt,
ist die Kenntnis darüber, wie die Sprechlaute gebildet werden,
verloren gegangen. Wenige Millimeter im Mundraum und Bruchteile
von Sekunden im Bewegungsablauf entscheiden darüber, ob wir
einen Laut erkennen können, oder ob er uns fremd erscheint.
Für Patienten mit einer Sprechapraxie kostet es unendliche
Geduld, die Bildung von Lauten immer wieder erneut zu versuchen.
Sie hören zwar, daß sie einen falschen oder entstellten
Laut gebildet haben, können ihn aber nicht allein korrigieren.
Korrekturversuche führen dann meist erneut zu falschen Lauten.
Enttäuschungen und Hilflosigkeit sind damit vorprogrammiert.
Begleitstörungen
Beweglichkeit und Gefühl: Nervenbahnen führen von nahezu
jeder Stelle des Körpers in das Gehirn und vermitteln Gefühlswahrnehmungen
(Sensibilität), wie Druck, Wärme, Kälte und Stellung
der Gliedmaßen. Gleichzeitig führen Nervenbahnen vom
Gehirn zu den Muskeln (Motorik), mit deren Hilfe wir uns bewegen.
Bei einer Schädigung der Bereiche im Gehirn, die für Beweglichkeit
und Gefühlswahrnehmung verantwortlich sind, ist oft nur eine
Körperseite betroffen, wobei Lähmungen (Paresen) und Gefühlsstörungen
(Sensibilitätsstörungen) gemeinsam oder auch einzeln auftreten
können. Diese Störungen können die komplette Körperseite
betreffen (Hemiplegie, Hemiparese) oder auch auf Teile, wie eine
Gesichtshälfte, den Arm, den Rumpf, das Bein oder den Fuß
beschränkt sein Das bedeutet für den Patienten, daß
er zunächst möglicherweise nicht mehr laufen, sitzen,
stehen oder sich überhaupt bewegen kann. Er wird gegebenenfalls
nicht bemerken, daß eines seiner Beine aus dem Bett hängt
oder daß einer seiner Arme oder die Hand irgendwo eingeklemmt
ist. Ist eine der Gesichtshälften betroffen (Facialisparese),
dann gelingt ein Lächeln nicht mehr, beim Essen und Trinken
verliert der Patient Speisereste und Speichel aus dem Mund oder
beim Sprechen kann er nicht deutlich genug artikulieren. Wenn die
rechte Hand gelähmt ist, dann kann der Patient zunächst
nicht mehr schreiben. Jedenfalls solange, bis er etwas Übung
mit der linken Hand erworben hat. Während Störungen der
Beweglichkeit sofort auffallen, sind die folgenden Begleitstörungen
nicht immer so offensichtlich, ja sie überdecken sich sogar
teilweise, so daß sie möglicherweise erst später
bei einer genauen Untersuchung gefunden werden können.
Sehstörungen: Die Nervenbahnen von den Augen durchqueren das
gesamte Gehirn bis zum Hinterkopf. Dort wird das, was wir sehen,
an bestimmten Stellen zunächst aufbereitet. Andere Strukturen
sind für die Deutung zuständig. Bei Gesichtsfeldeinschränkungen
infolge von Schädigungen des Gehirns sind die Augen selbst
intakt (eine Brille hilft da also nicht weiter). Die Nervenbahnen
oder/und die Strukturen, die das Gesehene verarbeiten, sind betroffen.
Das führt dazu, daß Teile des Gesichtsfeldes zu blinden
Flecken werden. Bei einem linksseitigen Gesichtsfeldausfall z.B.
(linksseitige homonyme Hemianopsie) kann der Patient nichts mehr
sehen, was links von dem Punkt liegt, den er im Moment fixiert.
Er wird an Bekannten vorbeigehen, ohne zu grüßen, weil
er sie nicht sieht. Er wird beim Lesen der Zeitung die Zeilenanfänge
nicht finden, weil sie außerhalb seines Gesichtsfeldes liegen.
Beim Autofahren wird er nur noch die Hälfte der Straße
überblicken können. Wenn es infolge einer Schädigung
der Augenbeweglichkeit zu Doppelbildern kommt, dann kann eine Text
kaum noch entziffert werden. Ferner kann es zu einer räumlichen
Kontrastauflösung kommen; die Patienten berichten dann ein
Verschwommensehen oder es tritt eine Störung der Hell- Dunkelanpassung
auf.
Gedächtnis: Die Neuropsychologie unterscheidet verschiedene
Arten von Gedächtnis, die bei einer Hirnschädigung betroffen
sein können (Amnesie). So kann die Erinnerung an die Ereignisse
vor dem Zeitpunkt der Hirnschädigung teilweise verloren gehen,
die Patienten haben dann möglicherweise einen Teil ihrer Biographie
"verloren". Es können aber auch das Erlernen neuer
Informationen bzw, das Erinnern an soeben Gelerntes oder Gehörtes
betroffen sein. Diese Patienten haben große Probleme sich
an den Therapeuten oder das in der Therapie Durchgeführte zu
erinnern. Sie stellen vieleicht viele Male die gleiche Frage, obwohl
sie jedesmal eine Antwort erhalten haben. Mitunter können sie
sich nicht an Vereinbarungen erinnern. Darüberhinaus wird angenommen,
daß es für sprachliches Wissen, also das Wissen um die
Bedeutung der Wörter, ein spezielles Gedächtnis gibt.
Aufmerksamkeit: Eine der wichtigsten und häufig unterschätzten
Leistungen des Gehirns ist die Aufmerksamkeit. Die überwiegende
Zahl der Patienten mit Hirnschädigung weist im Bereich der
verschiedenen Aufmerksamkeitsarten meßbare Defizite auf. In
vielen anderen Leistungsbereichen, wie z.B. Gedächtnisleistungen,
Sprachproduktion und Sprachverständnis, Reaktionsvermögen
(Autofahren !), wirkt sich eine Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit
deutlich aus. Ein Patient mit einer eingeschränkten Aufmerksamkeit
wird möglicherweise einzelne Satzteile oder längere Sätze
nicht mehr verstehen können.
Orientierung: Bei einer Hirnschädigung können Störungen
der räumlichen oder/und zeitlichen Orientierung auftreten.
Solche Patienten können nur lückenhafte oder keine Aussagen
über sich selbst und ihren Aufenthaltsort machen, das Zimmer
im Krankenhaus nicht mehr finden, oder sie sind z.B. nicht in der
Lage, die Jahreszeiten, den aktuellen Monat, das Datum oder den
Wochentag richtig anzugeben.
Wahrnehmung: Eines der am wenigsten nachvollziehbaren Defizite
ist das Phänomen der Vernachlässigung einer Körperhälfte
oder einer Raumhälfte (Neglect) Dabei ist die innere Vorstellung
des den Patienten umgebenden Raumes (Zimmer, Marktplatz, eigene
Wohnung) oder des eigenen Körpers gestört. Der Patient
vernachlässigt bei der Körperpflege (rasieren, schminken,
waschen) eine Seite, benutzt den betroffenen Arm, obwohl nicht gelähmt,
nicht mehr, kleidet sich nur "einseitig" an, oder beim
Essen bleiben Speisen auf einer Tellerhälfte liegen. Beim Lesen
werden dann Zeilenanfänge oder die ersten Buchstaben von Wörtern
nicht gelesen. Auch beim Zeichnen oder Abzeichnen von Gegenständen
fallen solche Störungen deutlich auf. Die meist linke Seite
der produzierten Zeichnungen sind detailärmer. Die Fähigkeit,
Entfernungen, Längen, Winkel, Positionen zweier Objekte zueinender,
sowie die Horizontale und die Senkrechte einzuschätzen, kann
bei Hirnschädigung betroffen sein. Die Uhr kann möglicherweise
nicht mehr gelesen werden. Weil die subjektive visuelle Senkrechte
nicht mit der Körpermitte übereinstimmt, können solche
Patienten nicht alleine stehen - sie würden einfach zu einer
Seite hin umkippen. Auch beim freien Zeichnen oder beim Abzeichnen
eines Würfels treten diese Symptome deutlich hervor. Beim Schreiben
können Buchstaben teilweise nicht mehr normgerecht geschrieben
werden, wie in der Abbil-dung links am "N" und "H"
deutlich sichtbar ist.
Als eine weitere Störung der Wahrnehmung kann eine mangelnde
Krankheitseinsicht Bestandteil der Krankheit selbst sein. Sie äußert
sich in einem Nicht-erkennen-können der eigenen Krankheit oder
bestimmter Krankheitszeichen (Anosognosie) oder als Tendenz zur
Bagatellisierung der Schwere der Störung (Anosodiaphorie).
Diese mangelnde Krankheitseinsicht hat in vielen anderen Leistungsbereichen
und v.a. in der Therapie einen großen Stellenwert. Es ist
sicher nachvollziehbar, daß jemand, der die eigene Erkrankung
nicht erkennen kann, wenig Sinn in einer Therapie sehen muß.
Verändertes Verhalten: Vielfach kommt es nach Hirnschädigung
zu plötzlich auftretendem Lachen und/oder Weinen. Das kann
ohne einen nachvollziehbaren Grund geschehen. Es kommt zu Stimmungsschwankungen
(Emotionale Labilität), die als Reaktion auf die Erkrankung
zu sehen sind. Eine weitere Reaktion auf die Erkrankung ist eine
spürbare Traurigkeit (Depression), die den Prozeß der
Auseinandersetzung mit der Erkrankung verkörpert. Mitunter
können Patienten von sich aus nicht mehr die Initiative ergreifen,
um irgend etwas zu tun oder zu erreichen. In seltenen Fällen
kommt es auch zu mehr oder weniger stark ausgeprägten Persönlichkeitsveränderungen.
Rechnen: Störungen im Umgang mit Zahlen (Zahlen lesen, Zahlen
schreiben, rechnen) treten zusätzlich bei einem Teil der Patienten
mit Hirnschädigung auf. Solche Rechenstörungen (Akalkulie)
verursachen möglicherweise Schwierigkeiten beim Einkaufen,
bei Bankgeschäften, beim Fahrplan lesen, bei der Uhrzeit oder
bei der Angabe des eigenen Alters. Solche Patienten können
auch bei bestehenden Rechenstörungen oft weiter selbständig
und eigenverantwortlich mit Geld umgehen, wenn sie die Unterstützung
von einer Person ihres Vertrauens haben.
Essen: In sehr vielen Fällen kommt es in der Folge von Hirnschädigungen
besonders in der Anfangsphase zu Schwierigkeiten beim Essen und
Trinken (Dysphagie). Die Ausprägung der Schwierigkeiten kann
sehr unterschiedlich sein. Sie reichen vom Verlust von etwas Flüssigkeit
aus dem Mundwinkel beim Trinken bis hin zur völligen Unfähigkeit,
etwas zu schlucken. Neben den sozialen und ästhetischen Folgen,
der Patient fällt beim Essen auf, er "sabbert", er
hustet, können lebensbedrohliche Situationen, wie Lungen-entzündungen,
Erstickungsgefahr und starker Gewichtsverlust auftreten. Die Ursache
für die Gefährlichkeit von vielen Schluckstörungen
liegt in der engen räumlichen Nachbarschaft von Luft- und Speiseweg.
Nach genauer Überprüfung des Schluckvorganges kann durch
gezielte Übungen sowie Umstellung der Essgewohnheiten und des
Speiseplans meist eine Verbesserung der Schwierigkeiten erzielt
werden. Dies wird am besten erreicht, wenn sich Patient, Angehörige,
Pflegepersonal, Diätassistenten und Arzt mit den Therapeuten
absprechen und die Beteiligten zusammenarbeiten.
Auswirkungen von Sprach- und Sprechstörungen
auf den Alltag
Die Sprach- und Sprechstörungen haben weitreichende Auswirkungen
in das Privat- und das Berufsleben hinein. Abhängig von Art
und Ausprägung der Erkrankung kann der Patient Tätigkeiten
wie Einkaufen, Telefonieren, Unterhaltungen, Behördengänge,
öffentliche Veranstaltungen, Radio hören, Fernsehen, Zeitung
lesen, Briefe schreiben nicht mehr in gewohnter Weise oder gar nicht
mehr bewältigen. Oft steht er vor unlösbaren Problemen.
Der Patient hat einen großen Teil seiner Selbständigkeit
verloren und ist auf Hilfestellung angewiesen. Das bedeutet wiederum,
daß auf diejenigen Personen, die sich um den Patienten kümmern,
viele neue und zusätzliche Aufgaben zukommen, denn der Partner
fällt als Gesprächspartner weg, Entscheidungen müssen
alleine getroffen werden, zur Erledigung der täglichen Dinge
wird viel mehr Zeit benötigt und es muß plötzlich
ein schier unendliches Maß an Geduld aufbracht werden. Dies
kann zu Überforderung und Konflikten auf beiden Seiten führen.
Der Patient und seine Familie fühlen sich alleine gelassen,
von keinem verstanden. Oft besteht die Neigung, sich zurückzuziehen.
Viele Unternehmungen und Aktivitäten können anscheinend
nicht mehr durchgeführt werden.
Auch und vor allem im Berufsleben müssen mündliche (und
telefonische) Anweisungen sehr sicher verstanden und gegeben werden
und es muß mit Schriftstücken oder auch mit Zahlen fehlerfrei
umgegangen werden können. Wenn ein sprachbehinderter Patient
seine Berufstätigkeit wieder aufnimmt, die Anforderungen jedoch
nicht mehr wie früher erfüllen kann, besteht die Gefahr
von Überforderung oder Versagen. Langfristig kann dies erhebliche
soziale Folgen wie z.B. den Verlust des Arbeitsplatzes haben. Um
dies zu verhindern, muß der Arbeitsplatz an die Fähigkeiten
des Patienten angepaßt werden. In manchen Fällen ist
eine weitere Berufstätigkeit nicht mehr möglich.
Erschwerend tritt hinzu, daß einem sprachbehinderten Patienten
von seiner Umwelt nicht mit der gleichen Toleranz entgegengekommen
wird, wie das mittlerweile Körperbehinderten gegenüber
fast selbstverständlich ist. Eine Sprachbehinderung sieht man
ja nicht auf den ersten Blick. Vielen drängt sich beim ersten
Kontakt mit einem Sprachbehinderten die Frage nach der "geistigen
Normalität" auf. Dabei sind Sprachbehinderte nicht weniger
geistreich, kreativ und zu normalem Denken fähig, als ihr Gegenüber.
Wie kann man mit Patienten, die Sprach- oder
Sprechstörungen haben, umgehen?
Jeder von uns benutzt Sprache, ohne sich Gedanken darüber
machen zu müssen, weil wir schon in unserer frühesten
Kindheit gelernt haben, Sprache anzuwenden. Doch nicht nur durch
Sprache teilen wir etwas mit. Manchesmal braucht es vieler Worte
um jemandem etwas zu sagen, manchesmal reicht auch ein kurzes "hm",
eine Geste, oder ein fragender Blick. Alle in der Graphik aufgeführten
Bereiche tragen in unterschiedlichem Ausmaß zur Kommunikation
bei. Das Weitergeben von Ideen, Wünschen, Vorstellungen oder
von Bedürfnissen an andere Menschen muß nicht immer über
das Sprechen erfolgen; es kann auch aufgeschrieben, gezeichnet oder
gezeigt werden. Alle diese Möglichkeiten gehören zur Kommunikation.
Fallen ein oder mehrere Bereiche aus, ist die Kommunikation gestört.
Allerdings können dann andere Bereiche einen teilweisen Ersatz
darstellen. Zum Beispiel kann eine Geste, ein Bild oder ein Schriftzug
ohne weiteres ein gesprochenes Wort ersetzen. Auf die Frage nach
seinem Hobby fertigte ein Patient mit der linken Hand die Zeichnung
einer Videokamera an. Sprechen oder Schreiben konnte er nicht.
An der Kommunikation sind immer zwei Seiten, ein Sprecher und ein
Hörer, beteiligt. Besteht bei einem der Kommunikationspartner
eine Störung der Sprache oder des Sprechens, wirkt sich dies
immer auf beide Seiten aus. Andersherum gesagt sind immer beide
Seiten verantwortlich für funktionierende Kommunikation.
Um dem sprachbehinderten Partner die Kommunikation zu erleichtern
bzw. ihm dabei zu helfen, müssen beide Partner ihr Kommunikationsverhalten
ändern. Beim Patienten wird in der Sprachtherapie auch an der
Anpassung des Kommunikationsverhaltens im Rahmen seiner Möglichkeiten
gearbeitet. Der sprachgesunde Partner kann sich möglichst individuell
geeignete Hilfestellungen oder Verhaltensweisen aneignen, wobei
ihn der behandelnde Sprachtherapeut berät und unterstützt.
Verwendet der gesunde Sprecher z.B. Wörter, deren Bedeutung
der sprachgeschädigte Hörer nicht verstehen kann, gerät
das gesamte Gespräch ins Stocken, weil er nicht adäquat
antworten oder reagieren kann. Es kann nur weitergehen, wenn der
Sprecher seine Äußerungen so wählt oder durch andere
Informationen (z.B. Abbildungen, Gesten, Zusatzinformation) ergänzt,
daß sie für den Hörer verständ-lich sind.
Findet ein sprachgeschädigter Sprecher nicht die Wörter,
nach denen er sucht, benötigt er eventuell die Unterstützung
und Geduld des Hörers, um seine Gedanken übermitteln zu
können.
Dies sind nur einige Beispiele, wie man sich verhalten kann, um
gemeinsam für die Informationsübermittlung zu sorgen.
Denken Sie an die vielfältigen Möglichkeiten der Kommunikation
und nutzen sie auch ungewöhnliche Wege, die sie früher
nicht verwendet hätten, weil es dafür keine Notwendigkeit
gab. Der Erfolg der Kommunikation ist weitgehend abhängig vom
Einfühlungsvermögen, der Phantasie, der Geduld und der
Sachkenntnis des gesunden Gesprächspartners.
Allgemeine wichtige Regeln
Nutzen Sie verbliebene Fähigkeiten und akzeptieren Sie momentan
bestehende Einschränkungen.
Vermeiden Sie Störgeräusche (z.B. kein Radio/Fernsehen
nebenbei).
Richten Sie die Aufmerksamkeit auf den Gesprächspartner.
Sprechen Sie nie in Gegenwart des Patienten über ihn, sondern
beziehen Sie ihn ein.
Lassen Sie dem sprachbehinderten Partner soviel Selbständigkeit
wie möglich.
Behandeln Sie den Patienten nicht wie ein Kind, er verfügt
nach wie vor über Lebenserfahrung.
Lassen Sie sich und dem Gesprächspartner viel Zeit.
Drängen Sie den sprachbehinderten Partner nie zu etwas, was
er eigentlich nicht möchte.
Sagen Sie nie, daß er sich mehr Mühe geben solle - das
tut er bereits.
Um anderen Personen den Umgang mit der Störung zu erleichtern,
hilft es meistens, einige Hinweise zu den Schwierigkeiten und möglichen
Verhaltensweisen zu geben. So werden Ängste und Unsicherheiten
bei Freunden, Bekannten und fremden Personen abgebaut.
Fördern und unterstützen Sie selbständige Aktivitäten.
Hilfsmittel wie Einkaufszettel, Pläne, Zeichnungen, etc helfen
vielleicht dabei.
Stellen Sie im Zweifelsfalle Fragen so, daß sie mit "JA"
oder "NEIN" beantwortet werden können.
Verwenden Sie einfache, kurze, aber vollständige Sätze.
Wiederholen Sie bei Verständnisproblemen das Gesagte in veränderter
Form.
Setzen Sie neben dem Sprechen bewußt Mimik, Gestik oder Tonfall
ein, um das Gesagte zu unterstützen.
Benutzen Sie zusätzlich Schrift oder Zeichnungen.
Bei besonders ausgeprägten Störungen kann für häufig
benötigte Dinge oder Vorgänge mit Hilfe von Abbildungen
eine Kommunikationstafel vom Therapeuten erstellt werden, auf die
bei Bedarf gezeigt werden kann.
Liegen die Schwierigkeiten des Patienten speziell im Bewegen der
Artikulationsorgane oder in der Lautstärke der Stimme, kann
die Kommunikation evtl. durch unterstützende, alternative Kommunikationshilfen
(z.B. Computer, Buchstabentafeln o.ä.) erleichtert werden.
Da es in jedem Einzelfall Verhaltensweisen gibt, die besonders
sinnvoll und hilfreich sind, fragen Sie den behandelnden Sprachtherapeuten
nach den für Sie geltenden Empfehlungen.
Literaturempfehlung
Luise Lutz, Das Schweigen verstehen, Springer Verlag 1991
W. Huber, K. Poeck, L. Springer, Sprachstörungen, Thieme Verlag
1991
Ingo Kroker, Sprachverlust nach Schlaganfall, Verlag für Medizin
Dr. E. Fischer 1990
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