Semantic deficit Hypothese

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Semantic deficit Hypothese

Die Hypothese besagt, daß die semantischen Repräsentationen und/oder deren Organisation im mentalen Lexikon beeinträchtigt sind (und nicht der Zugriff auf ein noch intaktes Lexikon). Folgende Evidenzen für die Annahme eines beeinträchtigten semantischen Lexikons werden angeführt: (a) Patienten, die semantische Paraphasien produzieren, machen auch semantisch verursachte Fehler bei nichtsprachlichen Objektwahlaufgaben mit semantischen Ablenkern. Eine semantische Disorganisation, die bei nichtverbalen Objektwahlaufgaben die notwendige adäquate semantische Analyse unmöglich macht, könnte auch für die beeinträchtigte Fähigkeit, Objekte zu benennen, verantwortlich sein. Der für die Klassifikation eines Objektes (als Element einer bestimmten Kategorie) notwendige Prozeß der Herausfilterung von relevanten Eigenschaften interagiert mit dem semantischen Lexikon in der Art, daß die modalitätsspezifische perzeptuelle Analyse von einer semantisch geleiteten Zergliederung abhängig ist. Die semantic deficit Hypothese besagt, daß Aphasiker mit Klassifikationsdefiziten semantisch relevante perzeptuelle Informationen in Tests zur Entscheidung der Ähnlichkeit von Objekten nicht anwenden können. Grundlage der Annahme ist folgendes: Wenn das Klassifikationsdefizit wirklich auf einer Beeinträchtigung der semantischen Komponente des Lexikons beruht, dann sollte die Komponente (perzeptuelle Analyse) auch beeinträchtigt sein, da sie völlig auf entsprechenden Input aus dem semantischen Lexikon (top-down) angewiesen ist. Mit dieser Hypothese lassen sich zusammen auftretende Störungen der Benennleistung, der Wortfindung, semantische Paraphasien und Störungen der Objektklassifikation erklären. (Nach diesem Modell haben Objekte und Wörter eine modalitätsunabhängige gemeinsame semantische Repräsentation. Die theoretische Disskusion zur Frage nach einer distinktiven verbalen und visuellen semantischen Repräsentation ist jedoch noch nicht entschieden (Seymour (1979) “Human visual cognition” London) Diese Hypothese erlaubt im Gs. zur retrieval deficit Hypothese Vorhersagen für eine ganze Reihe von Aufgaben, die eine semantische Analyse erfordern.

Literatur:

Caramazza, A., Berndt, R.S., Brownell, H.H. (1982) The semantic deficit hypothesis: Perceptual parsing and object classification by aphasic patients. Brain and Language, Vol 15(1), 161-189