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aphasi@ware - Computergestützte evaluative Aphasietherapie
aphasi@ware
Computergestützte evaluative Aphasietherapie
Falke Schwarz, M.A., Bad Urach
Klinischer Linguist (BKL)
aphasi@ware - Theoretische Grundlagen
Als theoretisch und empirisch gut gesicherte
Sprachverarbeitungsmodelle mit rehabilitativer
Relevanz bei Sprachpathologien gelten die Varianten des Logogenmodells.
Diese Modellklasse (siehe Ellis und Jung, 1988) liegt der Entwicklung
von aphasi@ware zugrunde und ermöglicht eine hypothesengeleitete
Vorgehensweise bei der Beurteilung und Behandlung aphasischer Sprachstörungen.
So spiegelt sich bereits bei der Taxonomie, also dem Ordnungsschema
innerhalb des Programmpakets die modulare Struktur der Sprachverarbeitungsmodelle
wieder. Unterteilt wird nach vier sprachlichen Modalitäten
und einer modalitätenübergreifenden Semantik (Modulen)
- Auditives Sprachverständnis (ASV)
- Lautsprachproduktion (LSP)
- Lesesinnverständnis (LSV)
- Schriftsprachproduktion (SSP)
- Semantik (SEM-P und SEM-W)
Innerhalb der aphasi@ware-Module (ASV, LSP, LSV,
SSP, und SEM) wird unterschieden in viele verschiedene Aufgabentypen,
deren Konzeption (a) dem bewährten therapeutischen Vorgehen
im Alltag entlehnt ist, und/oder (b) bestimmten diagnostischen Erfordernissen
entsprechen, und/oder (c) den Erwartungen der Patienten Rechnung
tragen ohne therapeutische Erfahrung und diagnostische Erfordernisse
auszuklammern. Die Palette an Aufgabentypen erstreckt sich von edutainment-nahen
Aufgabentypen, wie sie den Erwartungshaltungen der Patienten und
Angehörigen nahe kommen bis hin zu neurolinguistisch motivierten
und modellorientierten Aufgabentypen, die den Erwartungshaltungen
von Sprachtherapeuten entsprechen dürften. Zu den ersteren
Aufgabentypen gehören beispielsweise Kreuzworträtsel;
zu den letzteren gehören beispielsweise Lexical decision tasks
und eine große Anzahl an Übungstypen, die aus den Routinen
der Sprachverarbeitungsmodelle und dem therapeutischen Alltag abgeleitet
sind. Innerhalb der Aufgabentypen sind selbstadaptive Übungsstrukturen
programmiert, bei denen psycholinguistische Parameter sprachsystematisch
variieren. Die grammatischen und psycholinguistischen Eigenschaften
der lexikalischen Items, die der Selbstadaptivität zugrundeliegen,
basieren in der Entwicklungsphase auf Daten aus der CELEX Datenbank
oder entstammen der aphasi@ware Datenbank: Dazu gehören Wortart,
Auftretenshäufigkeit, Silbenstruktur, Anzahl Buchstaben, Anzahl
Silben, Anzahl Buchstaben, Antonymie, Hyperonymie, Kohyponymie,
kontextuell, pragmatisch, instrumentell und lokale semantische Relationen,
Synonymie, Homonymie, Homographie, assoziierte Verben, Nomen und
Adjektive, phonologische Beziehungen, Minimalpaare, Pseudowörter
und Nichtwörter.
Dem Design der Therapieprogramme liegen einige
Prinzipien zugrunde, die sich im Entwicklungsprozeß
für die computergestützte Aphasietherapie als unumgänglich
herausgestellt haben oder bereits konzeptionell bei der Planung
des Integrierten Therapie Systems, mit dem aphasi@ware entwickelt
wurde, zu berücksichtigen waren. Zu diesen Prinzipien gehören
der Bildschirmaufbau der jeweils einzelnen Aufgabenstellung, die
metalinguistischen Anweisungen zur Bearbeitung der Problemstellung,
das Feedback bzw. die Farbgestaltung, der Ablauf eines Übungstyps,
das Ebenenkonzept bzw. Selbstadaptivität und die neurolinguistisch
motivierte deskriptive Statistik.
Zu den in den Programmen eingesetzten Therapiematerialien
gehören digitalisierte Tonaufnahmen, Strichzeichnungen und
Photos von Gegenständen. Auswahl und Art der Strichzeichnungen
wurden nach Angaben des Autors von einem Graphiker erstellt und
anschließend digitalisiert. Zu den Therapiematerialien im
weiteren Sinne gehören die Inhalte der Multimediadatenbank:
Digitalisierte Tonaufnahmen, Zeichnungen, Photos sowie relational
verknüpfte Wort- (und Satzlisten), die auch modalitätenübergreifend
semantische, assoziative und phonematische Bezüge innerhalb
des Lexikons repräsentieren. Die Datenbank enthält über
7000 lexikalische Einträge und die gleiche Anzahl an digitalisierten
Tonaufnahmen sowie derzeit ca. 1000 prototypische Abbildungen, wie
sie für kognitive Trainingsprogramme erforderlich sind. Die
Auswahl der Beziehungen innerhalb der Datenbank sind vom Autor nach
psycholinguistischen, patholinguistischen und therapeutischen Kriterien
erstellt. Auch wenn an dieser Stelle Zahlen genannt werden, ist
es aus unserer Sicht nicht die absolute Anzahl der Einträge
in der Datenbank, die die Qualität des Therapiematerials bestimmt,
sondern es sind die grammatischen, psycholinguistischen und transmodalen
Verknüpfungen zwischen den Einträgen, zu denen verschiedene
semantische, morphologische, formale, syntaktische Beziehungen und
modalitätenübergreifende Beziehungen gehören. Die
Items und deren Relationen liegen den in den entwickelten Übungsaufgaben
enthaltenen kontrollierten hochselektiven Therapiematerialien zum
großen Teil zugrunde.
Die im klinischen oder ambulanten Alltag üblichen
Therapiezeiten liegen in der face to
face Therapie bei 30 bis 90 Minuten. Für die Therapieprogramme
ist immer eine Bearbeitungszeit von 30 Minuten vorgesehen. Der behandelnde
Sprachtherapeut kann die Dauer einer Session z.B. in Abhängigkeit
von der Belastbarkeit des Patienten verändern aber auch mehrere
Aufgabentypen zu einer Therapiesitzung kombinieren.
Der Bildschirmaufbau
folgt einheitlichen Grundzügen. Am oberen Rand befinden sich
die wenigen reinen Bedien- und Feedbackelemente, wie beispielsweise
das Fragezeichen, mit dem Hilfestellungen abgerufen werden können
oder das Ausrufezeichen, das auf die gleich folgende auditive Widergabe
/ Vorgabe eines Items hinweist. Im oberen Teil des Bildschirms werden
die Zielitems dargestellt. Im unteren Teil des Bildschirms sind
die zu manipulierenden Items dargestellt, die ausgewählt oder
verschoben werden sollen. Abweichungen von dieser Regel gibt es
dort, wo die heute verfügbare Technik Grenzen setzt. So steht
nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung (derzeit sind
das i.d.R. 17 Zoll Bildschirme) auf der die Zeichnungen mit zunehmender
Anzahl schlechter erkennbar werden. Hier muß der überwiegend
älteren Klientel mit tendenziell häufigeren Sehstörungen
Rechnung getragen werden. Die Zahl der gleichzeitig darstellbaren
Abbildungen ist daher physikalisch begrenzt. Abweichungen von der
o.g. Regel gibt es auch bei den Aufgabentypen, bei denen die visuelle
Exploration Bestandteil des Problemlöseprozesses ist.
Metalinguistische Anweisungen
zur Bearbeitung der Übungsaufgaben bzw. der Problemstellungen,
sei es in auditiver Form oder in Form von Schriftsprache sind bei
Aphasikern von begrenztem Nutzen und deshalb nur zurückhaltend
eingesetzt worden. Eine Ausnahme bildet der Startbildschirm, der
bei Programmaufruf vorangeht. In vielen Fällen, so die Beobachtung
im therapeutischen Alltag, finden die Patienten jedoch schnell durch
Ausprobieren heraus, wie die Problemstellung zu bearbeiten ist.
Auch mit einer Vorführung durch den Therapeuten haben wir gute
Erfahrungen; die Patienten wissen dann in den folgenden Sitzungen
noch, wie die Aufgaben bearbeitet werden können.
Da in den Bearbeitungsmodi mit Ausnahme der diagnostikorientierten
Aufgabentypen immer ein Feedback an den Klienten
erforderlich ist, und die Klienten per Definitionem verbales bzw.
sprachliches Feedback nicht sicher verarbeiten können, werden
korrekte Reaktionen über konsequent eingesetzte grüne
Rahmen, Flächen und Schriftfarben und akustische Signale an
den Klienten zurückgemeldet.
Der Aufbau der Übungsaufgaben
folgt einem bestimmten Schema. Zunächst erscheint nach Aufgabenauswahl
und Programmstart der Startbildschirm, der die Aufgabeninstruktion
darstellt sowie optional einen Beispielfilm abspielt, der die Bearbeitung
des Aufgabentyps demonstriert. Sobald der Klient den Startknopf
klickt, erscheint dann die erste Übungsaufgabe auf dem Bildschirm.
Da das Programm die Reaktionen des Klienten in Echtzeit auswertet,
bedarf es keiner Bedienelemente, mit denen der Klient den Programmablauf
steuert. Das Programm steuert sich im Rahmen der vorhersehbaren
Aktionen selbst und geht nach erfolgreicher Bearbeitung der ersten
Einzelaufgabe automatisch nach 5 Sek. zur nächsten Einzelaufgabe
weiter. Die jeweils folgenden Aufgaben sind vom gleichen Aufgabentyp
und unterscheiden sich gegebenenfalls als Folge der Selbstadaptivität
in Umfang und Inhalt der Items, nicht jedoch in der Bearbeitungsweise.
Sollte der Klient alle möglichen Fehlleistungen nacheinander
gewählt haben und es besteht dadurch keine Wahlmöglichkeit,
weil nur noch das (bislang noch nicht gewählte) Zielitem sichtbar
ist, dann wartet das Programm dennoch auf die Aktivität des
Klienten, der dieses letzte mögliche Item aktiv auswählen
muß, bevor das Programm zum nächsten Schritt geht.
Aphasi@ware wertet die Reaktionen
des Klienten in Echtzeit aus und kann in Abhängigkeit vom Reaktionsergebnis
vorprogrammierte Parameter variieren. Zu diesen vorprogrammierten
Parametern gehören beispielsweise (a) die Anzahl der Ablenker,
wodurch sich die Wahrscheinlichkeit von Fehlreaktionen erhöht,
(b) die Länge der Wörter, die als Therapiematerial verwendet
werden, (c) die Auftretenshäufigkeit lexikalischer Items, (d)
der Grad der Abstraktion von lexikalischen Items usw.. Dadurch,
daß diese Parameter schweregradsteuernd eingesetzt werden,
stellt sich das Programm in definiertem Umfang im Rahmen des Aufgabentyps
auf die Leistung des Patienten ein. Die klinische Evaluation der
Programme bestätigte die Funktionalität dieser Verfahrensweise.
Als eine der Voraussetzungen für die Beurteilung
der Zielwirksamkeit der Interventionsmittel verdient die
deskriptive Ergebnisdarstellung von Meßergebnissen (auch auf
dem Hintergrund aktueller Diskussionen zum Qualitätsmanagement)
Beachtung. Es muß davon ausgegangen werden, daß eine
Beurteilung auf verschiedenen Beobachtungsebenen stattfindet. Das
beinhaltet sowohl (a) isolierte Leistungsdaten im Bereich der Kompetenz,
wie beispielsweise modellorientierte neurolinguistisch motivierte
Befundergebnisse als auch Aussagen zur Performanz, die jeweils "Schnappschüsse"
auf der Zeitachse darstellen. Zusätzlich sind in einer Verlaufsdokumentation
durch eine Aneinanderreihung von Schnappschüssen dynamische
Verläufe (Prozeßdaten) ergonomisch für den Behandler
visualisierbar.
Eine sowohl quantitative
als auch qualitative Datenerfassung gibt Aufschluß
über die Dynamik des Rehabilitationsverlaufs im meßbaren
Bereich angefangen von Fehlertyp bis zur Problemlösestrategie.
Dieser integrale Bestandteil der Programme wurde übrigens bereits
1987 von Mills (Mills, 1987:77) eingefordert und ist bis dato eher
in neuropsychologischen Therapieprogrammen zu finden.
The data collected must be sufficient to provide
the clinician with an adequate record of the patient's responding
even when the clinician is not present at the time of program
execution. Although a number of programs provide a record of percentage
correct and incorrect, this is not sufficient. (
) percentage
correct and incorrect, actual stimuli, actual responses, response
times, cues provided, and error distribution according to visual
quadrant. Programs that provide these types of data will prove
most useful in helping the clinician to reach reasonable clinical
decisions during (
) use of the computer.
Das Programm aphasi@ware protokolliert also Daten,
die für das weitere Vorgehen in der Therapie von Bedeutung
sein können. Diese Daten werden berechnet und graphisch aufbereitet
dargestellt. Sie enthalten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
Muster, die für die Therapieplanung relevant sind und Muster,
die zufällig oder redundant sind. Ob jedoch ein Muster zufällig
oder überzufällig ist, kann nicht mit absoluter Sicherheit,
sondern immer nur mit einem bestimmten Grad der Wahrscheinlichkeit
festgestellt werden. Auf der Grundlage der implementierten deskriptiven
Statistik können externe inferenzstatistische Berechnungen
vorgenommen werden.
Die Protokolle lassen
sich unterscheiden nach sessionbezogenen Auswertungen und nach Auswertungen,
die auf die Einzelaufgaben bezogen sind, wobei die Inhalte beider
Arten von Auswertungen abhängig sind von den Inhalten, der
Struktur und der Zielsetzung der Aufgaben. Zu den sessionbezogenen
Auswertungen gehören: Sessiondauer, Gesamtzahl der bearbeiteten
Einzelaufgaben, Durchschnittliche prozentuale Anteil der korrekten
Reaktionen, Durchschnittliche Reaktionszeit pro Einzelaufgabe bei
richtiger Reaktion, Durchschnittliche Reaktionszeit bei definierten
und kontrollierten Stimuli, Zufallsniveau in Abhängigkeit von
der Zahl der angebotenen Ablenker, Einfluß der Abfrage des
Stimulus auf die Zahl der Fehlleistungen, Fehlertyp u.a.. Zu den
Auswertungen, die auf die Einzelaufgaben bezogen sind, gehören
die Visualisierung der Selbstadaptivität, das Auftreten multipler
Fehlleistungen, Reihenfolge / zeitliche Folge der Bearbeitung der
Items usw. Die in den einzelnen Aufgabentypen verwendeten Therapiematerialien
(geschriebene und gesprochene lexikalische Items, Pseudo- und Nonwörter,
Buchstaben und Laute, Zeichnungen und Photos sowie Filme oder bestimmte
Tokens) sind je nach Aufgabenstellung nach bestimmten statistischen
und psycholinguistischen Parametern selektiert und kontrolliert.
Bei der Beurteilung von Verlaufsqualität und Ergebnisqualität
auf der Impairmentebene, also der Betrachtungsebene der Teilleistungsstörungen
spielt der Einfluß psycholinguistischer Parameter auf die
Leistung des Patienten eine sehr große Rolle. Die Art und
Weise des Einflusses gibt Aufschluß über den funktionalen
Ort der Störung und das erlaubt es dem Behandler eine Interpretation
auf der Basis von Modellen normaler Sprachverarbeitung durchzuführen.
Aktuelle Sprachverarbeitungsmodelle, wie das
Logogenmodell und seine Nachfolger bilden Zeitverhalten
nicht ab. Auch die Methodiken moderner Aphasietherapie berücksichtigen
den zeitlichen Aspekt der sprachlichen Informationsverarbeitung
kaum. Weder die neurolinguistischen theoretischen Grundlagen noch
die rehabilitative Praxis bauen formale Bedingungen, wie beispielsweise
das zeitliche Auflösungsvermögen, in ausreichendem Maße
in ihre Modelle und Konzepte ein. Dennoch dürfte das Zeitverhalten
eine wichtige Rolle spielen (a) bei der Wahrnehmung, Integration,
Planung und Produktion von Sprache und (b) bei der Beurteilung von
Problemlöseverhalten innerhalb von Einzelaufgaben bzw. Problemstellungen
und in ganzen Therapieverläufen.
Im Gegensatz zur Reaktionszeit bilden Sprachverarbeitungsmodelle
indirekt Typen von Fehlleistungen ab.
Die Relevanz des Fehlertyps bei der Beurteilung von Problemlöseverhalten
und Therapieverläufen ist unbestritten. Die quantitative Erfassung
von korrekten Reaktionen und die qualitative Erfassung von Fehlreaktionen,
wie sie bei der Bearbeitung von Problemstellungen durch Patienten
in des Übungsaufgaben von aphasi@ware produziert werden, bildet
modellorientierte hochkomplexe Zustände in ihren dynamischen
Wechselwirkungen über (Rehabilitations-) Zeiträume hinweg
ab.
Die Methodik, die
den aphasi@ware-Programmen zugrunde liegt, ist als evaluatives Verfahren
auf ein einfaches Prinzip reduzierbar, das im klinischen Entscheidungsprozeß
in folgenden Schritten abläuft: Führe eine Diagnostik
durch und entwickle eine oder mehrere Hypothesen über das Ausmaß
und den Charakter der Teilleistungsdefizite. Biete dann dem Patienten
genau solche Aufgabenstellungen an, bei deren Lösung der Patient
voraussichtlich Fehlleistungen produziert, weil die Hypothese eine
bestimmte Teilleistung als betroffen annimmt. Biete dem Patienten
bei der Problemlösung Hilfestellungen an und protokolliere
Reaktionszeiten, Fehlertyp, Auswirkung der Hilfestellung sowie Einfluß
kontrollierter psycholinguistischer Parameter auf Fehlerrate und
Fehlertyp. Benutze die gewonnenen Erkenntnisse zur Überprüfung
der Eingangs aufgestellten Hypothes(en) und modifiziere die Problemstellung
bzw. den Aufgabentyp.
Qualitätsmanagement
in der Aphasietherapie ist hochaktuell. Dazu gehören die Organisation
und Infrastruktur der Therapieanbieter (Strukturqualität),
die Verfahren und Prozesse im Therapieverlauf (Verlaufsqualität)
sowie die Qualität des Interventionsergebnisses (Ergebnisqualität).
Diese Verfahren lassen sich in der Aphasietherapie wie folgt charakterisieren:
Dokumentiere fortlaufend den Leistungsstand des Patienten und die
Zielvorgabe, Definiere fortlaufend die Differenz zwischen beiden
Größen, Überprüfe / Überarbeite fortlaufend
das Ziel, den Fortschritt und das Ergebnis. Als Teil des Qualitätsmanagements
kann aphasi@ware instrumentalisiert werden, um die Effizienz der
sprachtherapeutischen Intervention im ausgewählten Bereichen
der Disabilities objektiv zu protokollieren. Auf dem Hintergrund
der o.g. Punkte sollten Qualitätsmanagement und eine evidenzbasierte
Aphasiologie die folgenden wichtigen Fragen beantworten helfen:
(a) Konnte der Patient in irgendeiner der neurolinguistischen Dimensionen
in der Kategorie der Impairments von der Therapie profitieren? (b)
Konnte der Patient seine sprachliche Kompetenz (teilweise) wiedererlangen,
neu erwerben oder in die Erfordernisse täglicher Kommunikation
übertragen (Transfer)? (c) Können die erreichten Verbesserungen
in der täglichen Kommunikation auf die therapeutische Intervention
zurückgeführt werden? Bei der Beantwortung der Frage (a)
kann das interne Therapieprotokoll in Abhängigkeit von den
bearbeiteten Aufgabentypen und den erfaßten Daten sowie weiteren
zusätzlichen Testprozeduren wichtige Hinweise liefern. Die
Antwort auf die Frage (b) muß der behandelnde Therapeut liefern,
indem er die Ergebnisse aus (a) mit dem evaluierten Handicap abgleicht.
Bei der Beantwortung der Frage (c) ist die komplexe Dynamik des
Rehabilitationsverlaufs zu berücksichtigen. Daten, wie sie
die aphasi@ware -Programme liefern, sollen helfen, diese Frage in
der Zukunft zu beantworten oder sie werden zunächst neue Fragen
aufwerfen, die bislang noch nicht gestellt wurden.
aphasi@ware - Evaluation im therapeutischen Alltag
(INCORE)
Um Antworten auf die Fragen (a) unter welchen
Umständen, (b) wann, (c) bei welchen Patienten, (d) bei welchen
Störungsbildern und (e) in welchem Ausmaß der Einsatz
von aphasi@ware sinnvoll ist zu finden, wurde als Teil des INCORE-Projekts
therapiebegleitend eine Datenerhebung von November 1999 bis August
2001 in drei Rehabilitationseinrichtungen und einer Universitätsklinik
bei 147 Patienten durchgeführt, die alle neben der konventionellen
sprachtherapeutischen Versorgung (Einzeltherapie und/oder Gruppentherapie)
auch mit aphasi@ware-Programmen behandelt wurden. Die Datenerfassung
ist mehrdimensional und sehr breit angelegt und zielt auf die Bereiche
institutionelles Setting, technisches Setting, Benutzerprofil, Einsatzgebiet,
Einsatzbreite, Einsatzhäufigkeit und Akzeptanz. Alle erfaßten
Patienten wurden im Rahmen der sprachtherapeutischen Versorgung
ergänzend zur Einzel- und/oder Gruppentherapie auch mit aphasi@ware-Programmen
behandelt. Hinzuweisen ist an dieser Stelle darauf, daß in
die Stichprobe nur Patienten einbezogen wurden, bei denen die Sprachtherapeuten
in den beteiligten Institutionen aphasi@ware als angemessenes und
indiziertes computergestütztes Übungsverfahren betrachtet
haben. Die Datenerhebung wurde parallel zum Einsatz der aphasi@ware-Programme
im inhouse-Setting bei gewährleisteter therapeutischer Supervision
durchgeführt, und kann demzufolge auch nur Aussagen zur Indikation
und Kontraindikation bei den vorgenannten Programmen / Aufgabentypen
/ Übungsstrukturen im vorgenannten Setting beinhalten.
Die Auswertung der
Datenerhebung zeigt, daß aphasi@ware bei einem Teil der Patienten
mit Aphasie ergänzend zur konventionellen Sprachtherapie erfolgreich
eingesetzt werden kann. Aufgrund der Analyse der erhobenen Daten
bezüglich Patientenstruktur, Syndromzuordnung, Barthelindex,
Durchschnittsalter, Behandlungsbeginn post onset, Dauer der (stationären)
sprachtherapeutischen Behandlung, Anteil berufstätiger Patienten,
sprachtherapeutische Versorgungsstrukturen, Betreuungs- bzw. Supervisionsumfang,
quantitativer Umfang der sprachtherapeutischen Versorgung, Standardsyndrome
sowie Indikation und Kontraindikation (Schwarz, F., 2002) können
Bedingungen für einen Einsatz von aphasi@ware formuliert werden.
Im Rahmen des therapeutischen Alltags lassen
sich die folgenden Punkte als Voraussetzung
für einen erfolgreichen Einsatz identifizieren: (a)
Die fachlich therapeutischen Ansprüche und Bedürfnisse
der Behandler müssen berücksichtigt werden wie auch die
Erwartungshaltung der Patienten und Angehörigen. (b) Die ergonomischen
Erfordernisse, zu denen die Mensch-Maschine Schnittstellen und die
Benutzerführung gehört, sind besonders zu beachten, da
den Aphasikern als motorisch und/oder kognitiv eingeschränkter
Benutzergruppe nicht zugemutet werden darf, einen Computer oder
ein Programm zu bedienen. Die Aktivitäten müssen sich
auf die Bearbeitung der Aufgabenstellung und das Problemlösen
beschränken. (c) Eine Supervision bzw. Betreuung ist bei Planung
und Durchführung computergestützter Verfahren in den meisten
Fällen erforderlich, eine fachlich qualifizierte Interpretation
der Ergebnisse in allen Fällen zu gewährleisten.
Literatur
Ellis, A., Young, A. (1988) Human Cognitive Neuropsychologie.
Hillsdale (USA).
Mills, R., H., (1987) Dependend and independend
use of microcomputers in aphasia rehabilitation. Top. Lang. Disord.
1987, 8(1), 72-85
Schwarz, F., (2002) Aphasi@ware - Ein Therapieprogramm
auf dem Prüfstand. Aphasie und verwandte Gebiete et domaines
associés. Bulletin der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft
für Aphasie (SAA)
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